TMK Maria Alm

Allgemeine Chronik

Nach Überlieferung und mündlicher Weitergabe soll schon in den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts eine kleine Instrumentalgruppe bestanden haben, deren Gründungsjahr und Besetzung nicht belegt werden kann. Es gibt aber ein Bild aus der Zeit (1895), das diese erste "Almer-Musik" zeigt, die schon neun Musikanten zählt. Sogar die Namen einiger Musikanten konnten noch eruiert werden.

Dies ist aber nicht der erste Nachweis musikalischer Betätigung der Almer, denn in der Kirche wurden zwei Natur- Waldhörner und eine Zugposaune aus dem 18. Jhdt. aufbewahrt, deren Zustand auf häufige Benützung schließen ließ. Daneben wurde aber auch im ganzen Urslautal das Blasen von Waldhörnern (Alphörnern) ausgeübt. Eines davon, das bis 1910 beim Kröll-Bauern am Aberg aufbewahrt wurde, fand alljährlich bei der Christmette Verwendung und soll die Menschen nicht nur durch seinen schönen Klang, sondern auch durch seine Länge, mit der es über die Chorbrüstung hinausragte, beeindruckt haben.

Wie aus Nachforschungen hervorgeht, befanden sich solche Hörner auch noch beim Christern-, Sonnberg-, Kröll-, Pfeffer-, Buchau-, Schwaiger- in Hinterthal und Obermühlbauern. Leider ist kaum eines der angesprochenen Alphörner mehr vorhanden, denn die meisten fielen groß angelegten Entrümpelungsaktionen zum Opfer.


Die Kapelle bestand bis in die 90-er Jahre, spielte vorwiegend zum Tanz auf und konnte sich aus dem Erlös dieser Betätigung erhalten. Aus Überlieferungen und Erzählungen spielte diese Tanzmusik alles nach dem Gehör (Noten waren noch nicht vorhanden), und sie hatte schon ein beachtliches Niveau erreicht.

Folgende Anekdote stammt aus jener Zeit:
Anläßlich der Bartholomä-Wallfahrt, bei der auch eine Tanzmusik nicht fehlen durfte, wurde Paul Schartner, der musikalische Leiter der Gruppe, von einem neugierigen Herrischen, den das Spiel ohne Noten offensichtlich beeindruckt haben mußte, gefragt, ob sie auch mit "Noten" spielen könnten? Paul antwortete mißverstandenerweise "Ja, freili mit´n "Nappen" (Atem).


Diese Kapelle ist in der Folge aber wegen zu großen Alkoholkonsums (Eltern wollten ihre Kinder kein Instrument mehr lernen lassen, daher bestand großer Nachwuchsmangel) zerfallen, aber schon 1896 konnte auf Initiative von Oberlehrer Jakob Kronbichler und dem Veteranenverein von Alm einen neue Kapelle zusammengestellt werden. Sie spielte vorwiegend Marschmusik für den Veteranenverein und war auch in dessen Uniform eingekleidet (blauer Rock mit Stehkragen, Schützenschnur, Granaten am Spiegel und einen Federbuschhut).


Die Kapelle war noch immer "Veteranenmusik" und wurde auch vom Veteranenverein im wesentlichen erhalten. Spenden und Erlöse aus Auftritten, wo zum Tanz aufgespielt wurde, verbesserten die Finanzlage.
Noch bis in die 50-er Jahre wurden einige Instrumente (große Trommel, Becken, B-Helikon, ES-Trompete) im Besitz des Kriegervereins geführt und konnten erst nach heftigen Diskussionen endgültig der Musikkapelle überlassen werden. Bedingt durch den Mangel an Geld waren die Instrumente in dieser Zeit in ziemlich schlechtem Zustand und Notenmaterial war kaum vorhanden, bis auf einige handgeschriebene Märsche wie "Achtungsmarsch" von Hans Schneider, "Grillenbannermarsch" von Wilhelm Lindemann und "Antoniamarsch" (Komponist konnte nicht eruiert werden), die Overtüre "Meine Königin" von Emil Stolce, drei Walzer, ein Potpourri, vier Lieder und zwei Trauermärsche - die Titel der restlichen Noten konnte nicht mehr eruiert werden.


Ausbildungsmaterial (Schulen) fehlte vollständig, und die Ausbildung des Musiknachwuchses war sehr mangelhaft, da auch jede musikpädagogische Vorbildung fehlte. Die Art der Musikerheranbildung durch eigene Kräfte der Musikkapelle, die damals überall im Land üblich war, wurde bis in die 70-er Jahre beibehalten und alleine durch musikalische Intiution des Ausbildners konnten die auszubildenden Musikanten auf ein beachtliches Niveau gebracht werden. Die Kapelle mit ihrem annehmbaren Können umrahmte nun schon Festlichkeiten, Prozessionen und Begräbnisse im Gemeindegeschehen.

Auch die musikalische Betreuung der Wallfahrt über das Steinerne Meer nach St. Bartholomä, des "Barthlmä-Gehens", oblag ausschliesslich der Almer Musikkapelle. 


Der 1. Weltkrieg brachte aber schließlich die vollständige Auflösung. Gefallen sind:

Hans Herzog - Schustersohn, Jäger
Josef Bründlinger - "Gassinger", Holzknecht.


1919 wurde die Kapelle unter Hermann Schwaiger neu aktiviert. Sie war anfangs 16, später 26 Musikanten stark,
galt als sehr gut und errang bei einem Preisspiel in Hallein 1924 unter 30 angetretenen Kapellen mit der "Lustspiel-Ouvertüre" von Bela Keler den beachtlichen 4. Rang.


Die Kapelle veranstaltete im Sommer beim bescheiden aufkommenden Fremden-verkehr die ersten Platzkonzerte.
Auch die Wallfahrt nach St. Bartholomä wurde bis 1925 von ihr betreut. In der Folgezeit aber, bedingt durch wirtschaftliche Not, Grenzsperren und die herrschenden politischen Verhältnisse, hörte die Betreuung des "Barthlmä-Gehens" auf.


Die Uniform dieser Kapelle bestand aus schwarzer Hose, grauem Uniformrock und grauem Hut mit Auerhahnfeder. Obwohl kaum Geldmittel zur Verfügung standen, herrschte nahezu Brüderlichkeit und große Begeisterung, ja man verzichtete sogar manchmal auf das Pausenbier bei den Proben, um einem kranken Musikantenkameraden eine Kiste stärkendes Malzbier zukommen zu lassen.


Durch Theaterspielen, Verkauf einer Faschingszeitung und Absammeln bei den sich immer mehr und mehr einfindenden Sommergästen konnte ein Großteil der nötigen finanziellen Mittel aufgebracht werden. Den Rest deckten vereinzelt einlaufende Spenden.

In diesen Jahren konnte sich sogar aus der Musik ein Streichensemble bilden, das als Pausenmusik bei den Theateraufführungen in Aktion trat und auch Konzert veranstaltete. Sogar ein Kontrabaß wurde zu diesem Zweck angekauft, der aber später in den Privatbesitz von Kapellmeister Hermann Schwaiger abgelöst wurde. Dieses Streichensemble entwickelte sich bis 1930 zur reinen Familienmusik, da von den acht Kindern jedes mindestens ein Instrument spielen konnte. Außerdem umrahmte dieses Ensemble (mit Bläserverstärkung) zahlreiche Gottesdienste in der Kirche von Alm.


Im Jahr 1935 wurde zusammen mit der Bürgermusik Saalfelden ein erstes Gemeinschaftsspiel veranstaltet. Im Kreise sitzend konzertierte man am Dorfplatz. Da die Geldmittel der Kapelle auch in den 30-er Jahren noch rar waren, mußten die Almer Musikanten ihre Saalfeldner Kameraden zu sich nach Hause zum Mittagessen einladen. Ab diesem Gemeinschaftsspiel war es nun auch in Alm üblich, die Konzerte von einem Kapellmeister dirigieren zu lassen. Bisher wurde es so gehandhabt, daß der erfahrenste Musikant am Beginn, Schluß und bei schwierigen Stellen aufstand und wieder Einigkeit herstellte. Da der Fremdenverkehr immer stärker wurde, führte man mit zunehmender Regelmäßigkeit Konzerte durch. Normal auf dem Dorfplatz vor dem Pichlwirt (jetzt Frisiersalon Gregor) und an schönen Sonntagnachmittagen beim Waldhauswirt im "Waldhaus-Pavillion". Im Frühjahr 1938 wurde Österreich im "Großdeutschen Reich" eingegliedert und auch die Musikkapelle wurde politisch eingespannt, wie etwa zu Umzügen und Aufmärschen. Die befohlene Umrüstung in die Uniform des großdeutschen Kyffhäuser-Verbandes, dem "Veteranenverein Großdeutschland", kam durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges nicht mehr zustande.


Nun war Krieg, und nach und nach mussten auch fast alle Musikanten einrücken. An Sonntagen, nach dem Requiem für die vielen Gefallenen, spielten die wenigen, die nicht an die Front gerufen wurden, das Lied "Ich hatt´ einen Kameraden" und einen Trauermarsch. Die Reihen der Musikanten lichteten sich immer mehr, sodass 1944 nur nicht neun Mann den letzten Gruß entbieten konnten - altgediente Musikanten sprangen dabei helfend ein.


Im Sommer 1945 versuchte der Waldhauswirt Johann Schwaiger, die langsam aus dem Krieg heimkehrenden Musikanten wieder zum Musizieren zu motivieren, sowie die Musikkapelle neu zusammenzustellen. Sein Bruder Hermann Schwaiger, der seit 1912 die Leitung der Kapelle inne hatte, war damals nach St. Johann dienstverpflichtet und auch zum Musizieren nicht bereit, solange seine Söhne nicht aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt waren. Im selben Jahr errichtete man unter Führung vom "Waldhauser" Johann Schwaiger, sowie unter Mithilfe der Musikanten und Bevölkerung auf den Fundamenten eines 1944 gebauten zukünftigen Kindergartengebäudes einen kleinen, schmalen Bau, der bis 1978 der Musikkapelle als Proberaum diente.


Nach der Heimkehr von Wilhelm und Hermann Schwaiger jun. aus der Kriegsgefangenschaft übernahm Hermann Schwaiger sen. wieder das Amt des Kapellmeisters. 1950 begann Hermann Schwaiger sen. ein eigenes Kassabuch der Musikkapelle Alm zu führen, in das er, ausser den finanziellen Einnahmen und Ausgaben im laufenden Jahr, im hinteren Teil des Buches auch Niederschriften
und Mitschriften von Versammlungen der Kapelle eintrug.


Da die Uniform aus den Zwanzigerjahren (schwarze Hose, grauer Uniformrock und grauer Hut mit Auerhahnfeder) nicht mehr zeitgemäß war, versuchten die Verantwortlichen der Musikkapelle diese auszutauschen und zu erneuern. In Zusammenarbeit und mit vielen Beratungen der Salzburger Heimatpflege konnte die alte Pinzgauer Tracht (schwarzer stehender Hut mit roter golddurchzogenen Schnur und Goldquaste, braunes Röckl mit Schalkragen aus schwarzem Samt, rostrote Weste, Lederhose unter dem Knie gebunden, lichtblaue Strümpfe, niedere Schuhe und ein blaues Halsmascherl), wie sie auf vielen Votivtafeln in unserer Kirche zu sehen ist, wieder neu belebt werden. Es wurde die Tracht für 34 Musikanten und 2 Marketenderinnen im Wert S 28.950,19 (entspricht heute ca. S 180.000,--) angeschafft. Da die finanziellen Mittel aus Spenden und Subventionen nicht ausreichten, veranstaltete man am 13. August 1950 ein Fest für die "Neueinkleidung". Seit diesem Jahr ist auch dieses Fest (Almer Musikfest) ein fixer Bestandteil im Jahresablauf, den sich keiner mehr im Dorfgeschehen wegdenken könnte.


Im Jahr 1951 aktivierte Hans und Hermann Schwaiger, unterstützt von Sixtus Fuchslechner auf der bayrischen Seite,
die Wallfahrt über das Steinerne Meer nach St. Batholomä am Königsee, welche auf ein Gelöbnis aus den Pestzeiten zurückgeht.


Wenn 1951 die gesamte Musikkapelle Alm mit ihren Instrumenten, sowie einigen interessierten Mitgehern (rund 50 Leute) von der Bergmesse am Riemannhaus bis zur Gedenkfeier an der Falkensteinwand (1688 fanden dort 71 Pilger den Tod in den Fluten) dabei waren, so sind es jetzt alljährlich rund zweitausend Wallfahrter, die den beschwerlichen Weg über den Gebirgsstock des Steinernen Meeres im Kreise Gleichgesinnter auf sich nehmen. Auch dieses Ereignis ist seit dem Jahr 1951 alljährlich ein Bestandteil im Dorfgeschehen von Maria Alm geworden.


Am 30.10.1961 legte Hermann Schwaiger sen. den Taktstock für immer aus der Hand. 49 Jahre hatter er die Musikkapelle als großer Idealist, Fachmann und vorbildlicher Kamerad geführt. Sein Sohn Hermann, der seit 1957 Dienstführender der Militärmusik Salzburg war, wurde zu seinem Nachfolger bestellt. Hermann Schwaiger jun. versuchte nun, in die Almer Musikkapelle, als eine der ersten Blaskapellen im Land, einen gesamten Saxophonsatz einzubauen.


1964 wurde aus Liebe zu unseren Bergen von den Musikanten am Gipfel des Selbhornes (2643m) ein Gipfelkreuz aufgestellt. Die Musikanten spendeten das Holz, zimmerten und beschlugen das Kreuz und trugen es eigenhändig zum Gipfel. Außerdem wurde eine Aufschrift am Kreuz angebracht, die zeigen soll, dass dieses Gipfelkreuz allen verstorbenen Musikkameraden der Musikkapelle Alm gewidmet ist. Kanonikus Josef Lahnsteiner (er betreute lange Jahre die Wallfahrt nach St. Bartholomä) zelebrierte zu den Klängen der Deutschen Messen von Franz Schubert die Bergmesse.


In dieser Zeit fanden auch die ersten Auslandsfahrten statt. Einladungen von Dr. Wolf-Zimper nach Bad König im Odenwald, sowie Fahrten nach Speyer, Bobenheim bei Worms und viermal nach Obergartzem im Landkreis Euskirchen wurden mit Freude absolviert. Aber die wohl bedeutenste Auslandsfahrt führte die Musikkapelle 1990 nach Zypern.


Am 8.1.1970 erklärte der Kapellmeister, Hermann Schwaiger jun., daß er aus dienstlichen Gründen die Musikkapelle nicht mehr leiten kann. Er übergab das Amt des Kapellmeisters an Othmar Jerabek. Zwei Jahre später, am 28.4.1972 tritt Othmar Jerabek als Kapellmeister wieder zurück und Hermann Schwaiger jun. übernahm nun wieder die Leitung der Kapelle.


Bis ins Jahr 1974 blieb die Musikkapelle Maria Alm der früher üblichen "hohen Stimmung" treu. Dies ließ daher kein Zusammenspiel mit anderen Kapellen zu, außerdem konnten die Instrumente nur in der Musikkapelle verwendet werden. Auch die Anschaffung neuer Instrumente wurde immer unerschwinglicher und darum ging Kapellmeister Hermann Schwaiger daran, die Musikkapelle neu zu instrumentieren. Er scheute weder Zeit noch Mühe und brachte jeder Maria Almer Familie persönlich sein Anliegen vor. Die breite Unterstützung ließ eine Summe von S 450.000,-- zusammenkommen, und auf diese Weise wurde von der Bevölkerung ein klares Ja zur Trachtenmusikkapelle Maria Alm ausgesprochen.


Am 19.10.1975 beteiligt sich die Musikkapelle Maria Alm unter der Leitung von Hermann Schwaiger an einem Konzertwertungsspiel in Zell am See. Mit dem Selbstwahlstück "Nordische Fahrt" - Ouvertüre von Majo und dem Pflichtstück "Simsalabim" - Ouvertüre von Herbert König erreichte die Kapelle in der Schwierigkeitsstufe B einen 1. Rang mit Auszeichnung.


Bisher war die Trachtenmusikkapelle Maria Alm eine "freie Vereinigung" ohne jedes Statut. Der Leiter bzw. Kapellmeister verwaltete auch die Geldmittel, und Entscheidungen wurden in gemeinsamer Absprache getroffen. Da die Aufgaben in der Kapelle immer mehr wurden, entschloß man sich Mitte der 70-er Jahre, einen Verein mit Ausschuß und der damit verbundenen Aufgabenteilung zu gründen. Am 8.6.1977 wurde dann der Auschuß mit dem Obmann an der Spitze gewählt. Ausserdem wurde der Kapellmeister durch die Wahl in seiner Funktion bestätigt.


Obmänner der Musikapelle Maria Alm

Hermann Herzog, 1977 - 1980
Klaus Morokutti, April bis Oktober 1980
Erwin Rohrmoser, 1980 - 1983
Herbert Jerabek, 1983 - 1989
Georg Imlauer, 1989 - 2001
Hans Breitfuß, 2001 - 2011
Christian Aberger, seit 2011


1980 legte Hermann Schwaiger aus Altersgründen den Taktstock nieder und Otto Hinterseer übernahm das Amt des Kapellmeisters. Unter seiner Stabführung wurde das Niveau der Kapelle weiter ausgebaut. Außerdem konnten zwei ansprechende Tonträger aufgenommen werden, die sehr großen Anklang fanden.


Im Frühjahr 1995 konnte die Musikkapelle Maria Alm unter der Leitung von Kapellmeister Otto Hinterseer und Obmann Georg Imlauer in das neuerbaute "Haus der Musik" einziehen.


Im Sommer 1995 legte Otto Hinterseer auf seinen eigenen Wunsch den Taktstock aus der Hand und übergab die musikalische Leitung Alois Hammerschmid.


Unter Kapellmeister Alois Hammerschmid wurden aufgrund des Fehlens eines geeigneten Konzertsaales erstmals Konzerte der gesamten Kapelle in der Kirche von Maria Alm aufgeführt, welche sehr großen Anklang bei der Bevölkerung fanden. Weiters nahm die Musikkapelle Maria Alm im Jahr 1999 an einer Bezirksmarsch -musikwertung teil und erreichte in der Kategorie C einen "Ausgezeichneten Erfolg".